Über Datenrettung kursieren viele Ratschläge, manche aus einer Zeit, in der Festplatten noch 40 Megabyte hatten. Einige waren damals richtig und sind es heute nicht mehr, andere waren nie richtig. Weil falsche Tipps in der Praxis regelmäßig Daten kosten, haben wir die häufigsten zusammengestellt.
„Eine kaputte Festplatte im Gefrierschrank läuft wieder an“
Falsch. Der Tipp stammt aus den Neunzigern, als sich manche Festplatten durch Kälte so weit zusammenzogen, dass festsitzende Lager kurz freikamen. Bei heutigen Festplatten passiert beim Einfrieren vor allem eines: Beim Auftauen bildet sich Kondenswasser im Inneren, auch auf den Scheiben. Wassertropfen auf einer Oberfläche, über der ein Kopf im Nanometerabstand fliegt, führen zum Headcrash.
„Wenn man leicht dagegen klopft, springt sie an“
Falsch. Klopfen kann bei festsitzenden Köpfen tatsächlich dazu führen, dass die Scheibe sich wieder dreht. Der Kopf schleift dabei aber über die Oberfläche und ist danach meist kaputt, oft mit Kratzern auf der Scheibe. Mehr in Festplatte piept.
„Eine baugleiche Platine draufschrauben, fertig“
Meist falsch. Früher ging das oft. Heute speichert jede Festplatte individuelle Kalibrierdaten auf ihrer eigenen Platine, manche auch den Schlüssel ihrer Verschlüsselung. Eine fremde Platine passt fast nie ohne Übertragung dieser Daten. Siehe Elektronikschaden.
„Gelöscht ist gelöscht“
Bei Festplatten falsch, bei SSDs oft richtig. Auf einer Festplatte entfernt Löschen nur den Eintrag im Inhaltsverzeichnis. Die Daten bleiben, bis sie überschrieben werden. Auf SSDs mit TRIM löscht der Controller freigegebene Bereiche oft innerhalb von Minuten tatsächlich. Auf Speicherkarten und USB-Sticks ist die Rettung gelöschter Dateien meist gut möglich.
„Formatieren löscht alle Daten“
Meist falsch. Die Schnellformatierung legt nur neue Verwaltungsstrukturen an. Die eigentlichen Daten bleiben vorhanden und lassen sich oft retten. Eine vollständige Formatierung unter aktuellen Windows-Versionen überschreibt dagegen alles mit Nullen. Dann ist eine Rettung nicht mehr möglich.
„Ein Datenrettungsprogramm kann alles, was ein Labor kann“
Falsch. Software kann logische Fehler beheben: gelöschte Dateien, beschädigte Partitionen, formatierte Laufwerke. Sie setzt aber voraus, dass die Hardware einwandfrei funktioniert. Bei einem Kopfschaden, einem Elektronikfehler oder einer schwachen Festplatte richtet sie Schaden an, weil sie das Laufwerk stundenlang belastet.
„Datenrettung kostet immer tausende Euro“
Falsch. Viele Fälle sind logische Fehler oder Elektronikschäden, die deutlich günstiger sind als ein Eingriff im Reinraum. Bei uns ist die Diagnose kostenlos, Sie erhalten vorher eine Preisspanne, und wenn keine Daten gerettet werden können, zahlen Sie nichts für die Rettung. Die Spannen finden Sie auf der Seite Preise.
„Eine Festplatte, die schon im Labor war, ist verloren“
Nicht unbedingt. Wenn ein anderer Anbieter aufgegeben hat, lohnt sich oft eine zweite Meinung. Wichtig ist, dass Sie uns sagen, was bereits gemacht wurde, etwa ob die Festplatte geöffnet oder ein Kopftausch versucht wurde.
„RAID ist ein Backup“
Falsch. Ein RAID schützt vor dem Ausfall einer einzelnen Festplatte. Gegen versehentliches Löschen, Ransomware, Überspannung oder einen fehlerhaften Controller hilft es nicht, denn diese Fehler betreffen alle Festplatten gleichzeitig. Ein Backup ist eine zweite, getrennte Kopie.
„In Reis trocknen“
Falsch. Reis entzieht kaum Feuchtigkeit aus dem Inneren eines Geräts, hinterlässt aber Stärke und Staub. Bei Wasserschäden ist Zeit der wichtigste Faktor: Strom trennen, nicht einschalten und so schnell wie möglich ins Labor.
Häufige Fragen
Was ist das Wichtigste, wenn ein Datenträger ausfällt?
Ausschalten und nichts mehr ausprobieren, was das Gerät belastet oder darauf schreibt. Die meisten Daten gehen nicht durch den ursprünglichen Fehler verloren, sondern durch das, was danach versucht wird.
Welche Selbsthilfe ist erlaubt?
Kabel, Anschluss und Rechner zu tauschen ist unbedenklich. Bei logischen Fehlern auf funktionierender Hardware kann man ein Rettungsprogramm verwenden, das nur liest und auf ein anderes Laufwerk speichert. Mehr dazu auf der Seite Selbsthilfe.
Datenrettung Ablauf
Seien Sie wachsam und versuchen Sie nicht, selbst mit Versuchen zu experimentieren, um die Daten auf dem Gerät zu retten. Dies kann eine Wiederherstellung unmöglich machen.
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